Im Podcast habe ich meine Gedanken, die ich schon im Beitrag geschrieben habe, niedergelegt.

Formate: mp3 | aacopus | flac

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2013 in Berlin, bei einem guten Gespräch und einigem an Bier, haben Matthias Fromm und ich überlegt, dass es doch spannend wäre, einen Podcast zu allem Möglichen an Audio-Themen zu machen.

Ich weiß noch, wie ich fleißig Ideen notiert habe und dass ich mich von alleine nicht gleich getraut hätte, weil ich dachte, dass ich mit meiner Stimme doch sehr unpassend bin für ein Podcast und über Audio zu fachsimpeln, obwohl andere Personen in dem Bereich viel mehr Erfahrung und Expertise haben, vielleicht anmaßend wäre.

Was ich aber gleich gedacht habe: ja, ich habe Bock darauf, was auszuprobieren und nicht nur der Konsument von Podcasts zu sein, sondern auch selber Inhalte zu erschaffen und auch eine Art Inspiration weiter zu geben, die ich seit eh und je von Podcasts selbst erfahren habe.

Gesagt getan habe ich mich, wie so oft, in das Thema mit größter Begeisterung verbissen: Inhalte gesucht, mögliche Gäste gefragt und viele Ideen gesponnen. Egal, ob überhaupt eine Person den Podcast hören würde, einfach angefangen diese Idee mit Inhalt und Struktur zu füllen. Matthias hatte sich fleißig um die Website gekümmert und auch er brannte für diese schöne Idee, einen Audio-Podcast zu gestalten. Er selbst hatte schon einiges an Podcast-Erfahrung: Collaborative RockersExplorismTransiente Sichten und Open Science Radio.

Für mich war es ein toller Anfang, sich vermittelnd mit Audio-Themen auseinander zu setzen. Ich hatte mit einigen Artikeln bei Delamar schon erste Versuche gesammelt, aber im Podcast quasi live über Themen zu reden war eine neue Herausforderung.

In den sechs Jahren habe ich die Erfahrung gemacht, wie das Podcast-Universum einen selbst bildet und man selbst Inspiration für andere ist. Das möchte ich mit diesem kleinen Blog-Beitrag etwas ausführen.

Expertise hat jede Person

Wahrscheinlich meine größte Erkenntnis aus 6 Jahren Phonolog. Wir haben mit einigen Menschen, die ich auf meinem Weg kennengelernt habe, über Sound gesprochen, ihren Weg bis heute nachempfunden und einiges an Inspiration erfahren.

Je mehr wir aufgenommen haben, um so mehr habe ich festgestellt, dass jede Person, die sich thematisch mit Themen auseinandersetzt, ihre ganz eigene Perspektive und Erfahrung hat. Und jede Perspektive ist hörenswert. Egal, wie man sie erzählt.

Gerade im Bereich der Audio-Produktions-Podcasts oder Musikproduktions-Podcasts gab und gibt es natürlich zahlreiche Podcasts in Deutschland. Wie zum Beispiel Delamar, wo ich auch schon mehrmals Gast war, 300Hz, Das Knistern, der Filmtonpodcast oder auch international spannende Projekte wie Tonebenders, The Mastering Show oder den Podcast von Mike Senior.

Da liegt natürlich die Frage nah, warum man noch einen Podcast machen sollte, der genau in diese Richtung schlägt.

Folge 13 mit den Johannes & Frank von den Ballroom Studios
Folge 13 mit den Johannes & Frank von den Ballroom Studios

Redundanz ist nichts Verkehrtes. Sondern geradezu wichtig. Wichtig ist es geworden, sich über die Arbeitsweisen zu gleichen Themen auszutauschen. Darüber, wie andere dazu arbeiten und wie sie ihre Ideen entwickeln. Gerade, wenn man sich selber mit Gästen unterhält, stecken in den Nebengesprächen die besten und interessantesten Gedanken. In Kontakt mit den anderen Personen kommen und sich gegenseitig fördern. 

Und das Spannendste ist, wenn selbst erfahrene Audio-Hasen neue Perspektiven im eigenen Podcast entdecken und sich durch die ganzen Folgen durcharbeiten. Ein fantastisches Gefühl.

Audio bildet ungemein

Wie schon erwähnt bietet Audio und Podcast eine sehr tolle Möglichkeit: die Weitergabe von Wissen. Das kommt mir gerade in den heutigen Tagen, wo Podcasts zum Mainstream geworden sind, leider teilweise viel zu kurz. Viele sprechen von journalistischen Formaten oder Unterhaltungsformaten, aber eines der Kerne für mich im Podcasting ist die Vermittlung von Wissen die Funktion als Plattform der Inspiration. Es gibt wohl kein Thema, zu dem es keinen Podcast gibt.

Und Audio kann das fabelhaft. Geradezu perfekt. Natürlich hängt es auch davon ab, ob man audiophil ist oder nicht, aber gesprochenes Wort vereint verschiedene Ebenen miteinander.

Sprache als direktes Transportmittel

Wir Menschen sind sehr empfindlich für das Thema Sprache. Seit unserer Geburt hören wir die Stimmen unserer Eltern, Familienmitglieder und Freunde. Unser Gehirn weißt ganz genau, wie Stimmen klingen müssen und sobald diese künstlich klingen, fällt uns das auf. Gerade im Bezug auf die Pop-Musik ist die Verfremdung, durch vor allem Autotune, sehr populär geworden. Dort merken wir den Unterschied zur realen Stimme sofort.

Stimmen transportieren die direkte Emotion von Menschen. Das lässt sich gut an einem Telefonat festmachen. Meist reichen einigen Sekunden aus und wir wissen sofort, wie es der Person am anderen Ende der Leitung geht.

Auf dieser emotionalen Basis ist Sprache also ein gutes Werkzeug für den Transport von Wissen. Es unterhält, ist dynamisch und bietet den direkten Zugang zu Gedanken von Menschen. Somit ist Sprache ein direkterer Lernweg als zum Beispiel reiner Text. 

Podcasts als Wissenspeicher und Wiki

Phonolog ist für mich selbst wie ein kleiner Wissensspeicher geworden. Ähnlich wie der Aufbau eines Blogs können Podcast Wissen für andere und mich selbst für lange Zeit aufbewahren. 

Die Haltbarkeit von einem Podcast ist sehr lang. Ich höre mir selbst immer wieder ältere Podcasts an und die Themen sind immer noch aktuell und man findet auch schon zu überholten Themen immer wieder Bezüge zu heute. 

Gerade ein Beispiel, was das direkt sehr gut darstellt, ist der Podcast ChaosRadioExpress (CRE) von Tim Pritlove. Im deutschsprachigen Raum gibt es wohl keinen anderen Podcast, der quasi ein kleines Lexikon ist. Mit über 200 Folge ist es einer der umfangreichsten Podcasts in Deutschland.

Ein weiterer Vorteil, den Podcasts als Wissensquelle bieten, ist der direkte Austausch mit Expert*innen. Im guten Fall ist ein spannender Podcast kein Interview, sondern ein Gespräch zwischen mindestens zwei Personen und einem nahtlosen Wandern von einem Thema zum anderen. Und so kommt man durch das Gespräch zu ganz neuen Ideen, die man sonst gar nicht in Betracht gezogen hätte.

Ein schönes Beispiel dafür ist auch der Podcast #BldAltEntf von Anja Lorenz und Oliver Tacke. Beide unterhalten sich zu aktuellen Themen der Didaktik, Open Education und über alles drum herum.Ähnliches ist natürlich auch bei Phonolog zu beobachten. Wir hatten sehr spannende Gäste, wie Harald Fischer oder auch Tobias Fleig. Mit Harald haben wir uns über Bildung und Audio unterhalten und mit Tobias über den guten Filmton.

Audio verbindet

Und das mehr als. Wie gerade im letzten Kapitel erwähnt, bieten Podcasts nicht nur eine Bereicherung an Wissen, sondern Audio verbindet sehr. Am besten passiert das, wenn man sich spannende Menschen als Gast einlädt. Durch einen ein- bis zweistündigen Podcast baut man auch in dieser kurzen Zeit eine gute menschliche Beziehung auf. 

Und diese Beziehungen halten lange. Man folgt sich auf Twitter, hält über E-Mails Kontakt und trifft sich immer wieder auf Veranstaltungen. Es entsteht ein kleines, feines Netzwerk, was sehr dankbar ist und sich immer wieder austauscht.Gerade auch bei Phonolog stellen wir immer wieder fest, dass wir auch einiges an Publikum erreichen, das uns folgt und immer wieder Feedback zukommen lässt. Man kommentiert und empfiehlt sich. Das ist ein sehr spannender und einladender Prozess. Und es hat immer noch einen aufregenden Aspekt, in einem anderen Podcast-Erwähnung zu finden.

Audio trainiert sprachliche Fähigkeiten

Seit 2016 gebe ich Workshops an der Hochschule Mittweida in Sachsen. Ich darf vor 20-30 Leuten sprechen und ein Forum entstehen lassen, bei dem man sich über Ton im Film und selbständiger Arbeit austauscht.

Durch Phonolog konnte ich meine rhetorischen Fähigkeiten selber nachvollziehbar prüfen. Ich höre die Podcasts im Nachhinein an und stellen fest, wie sehr ich mich manchmal wiederhole oder ich teilweise verwirrende Sätze geredet habe.

Dadurch konnte ich meine Rhetorik verbessern und mich in klarerem Ausdruck üben. Somit hatte ich auch bei meinen Workshops an der Hochschule eine gewisse Sicherheit bei der Präsentation von Inhalten.

Unvollendeter Abschluss

Mein kleiner Exkurs endet hier rein im Text. Nicht im Prozess. Natürlich lernt man weiter dazu und probiert einiges im Podcasting aus. Die Zeit in der wir an Phonolog arbeiten, macht nicht nur saumäßig viel Spaß, sondern hat mich auch gebildet, inspiriert und wird das noch weiter tun. 

Danke an Matthias für Interesse, Geduld und Bock auf das Projekt. Und entschuldige manche jugendliche Phrase und Leichtsinn.